Ausgrabungen auf BImA-Schloss im Chiemgau

Hohenaschau früher besiedelt als bisher bekannt

Schloss Hohenaschau

Auf einem mächtigen Kalkfelsen thront Schloss Hohenaschau, das der BImA gehört und unter anderem als Ferienunterkunft für das Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung dient (Foto: Eder Christa/Fotolia).

Bonn/Aschau, 18. März 2026. Spuren aus einer unerwartet frühen Epoche kamen kürzlich bei Grabungen im Innenhof von Schloss Hohenaschau im Chiemgau zum Vorschein und belegen, dass schon Menschen der Bronzezeit die Gunstlage der Anhöhe im Chiemgau nutzten. Das Schloss gehört heute der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) – dem zentralen Immobilienunternehmen des Bundes. Auf dem mächtigen Kalkfelsen über dem Priental wurde nun Keramik entdeckt, die bis in die Bronzezeit (ab etwa 2.300 vor Christus) zurückreicht.

Offenbar füllten die damaligen Siedler die Felsspalten mit sandig-lehmigem Material auf, um auf dem weithin höchsten Punkt ein Plateau und damit eine Siedlungsfläche zu schaffen. Funde aus der näheren Umgebung deuten zwar schon seit längerem eine bronzezeitliche Siedlungstätigkeit in der Region an, doch erst die Grabungen vor kurzem belegen eindeutig, dass der Schlossberg schon vor rund 4.000 Jahren besiedelt war. Anlass der archäologischen Untersuchungen war die Erneuerung des Pflasters im Innenhof des Preysingbaus. Die Arbeiten erfolgten in enger Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Bauamt Rosenheim, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) und der Grabungsfirma ReVe. „Auf dem Pflaster des Innenhofes befanden sich einige Stolperfallen, weswegen die BImA als Schlossherrin die Erneuerung in Auftrag gab“, berichtet die Objektmanagerin der Bundesanstalt, Ina Schäfer.

Der Boden bewahrte die noch ungeschriebene Geschichte

„Grabungsergebnisse wie diese sind ein Glücksfall: Sie zeigen, dass selbst an einem seit Jahrhunderten bekannten Ort noch ungeschriebene Geschichte im Boden bewahrt ist. Hohenaschau gewinnt mit den jüngsten Funden aus drei Zeitschichten eine neue historische Tiefe, die von der frühen Besiedlung in der Bronzezeit bis zur Schlossanlage der Neuzeit reicht“, sagt Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD.

Und Doris Lackerbauer, Leiterin des Staatlichen Bauamtes Rosenheim, ergänzt: „Wir freuen uns sehr über diesen außergewöhnlichen Fund. Dieser belegt, wie wichtig archäologische Begleitung auf historischen Liegenschaften ist; eine sehr gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wer weiß, welche Geheimnisse das Schloss Hohenaschau in Zukunft noch für uns parat hält.“

Baustelle Hohenaschau

Der Innenhof von Schloss Hohenaschau während der Grabungsarbeiten (Foto: Nikolas Lorenz/Grabungsfirma ReVe).

Burg Hohenaschau gab es auch schon länger, als bislang angenommen

Auch die Nutzung in spätkarolingisch-ottonischer Zeit im 9. bis 11. Jahrhundert war bisher unbekannt. Keramik dieser Zeit stammt aus dem Abbruch einer Ofenanlage, deren Funktion bislang unklar ist. In der schriftlichen Überlieferung taucht die Burg Hohenaschau erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf. Die Ergebnisse der Archäologie legen jetzt nahe, dass dort in gut geschützter und leicht zu verteidigender Lage auf dem rund 75 Meter aufragenden Felsen schon deutlich früher eine mittelalterliche Burganlage bestand.

Als dritte Zeitschicht entdeckten die Archäologinnen und Archäologen auch Mauerstrukturen, Pflasterbeläge und Erdbefunde aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit, und das obwohl die Bodeneingriffe für die Pflastererneuerung nicht besonders tief reichten. So lässt sich aus einer Mauerecke ein rechteckiges Gebäude rekonstruieren. Bemalte Putzreste am Mauerwerk deuten darauf hin, dass einzelne Räume dieses Gebäudes mit Fresken ausgestattet waren. Ein aus dem Bauschutt geborgenes Architekturfragment stammt vermutlich von einem Arkadengang aus der Frühen Neuzeit.

Über Schloss Hohenaschau

Nach der Errichtung der Höhenburg zum Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich Hohenaschau über viele Jahrhunderte zum Herrschaftszentrum verschiedener Adelsfamilien. Nach umfangreichen Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert sowie einer Neugestaltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss später Eigentum der BImA und dient heute als Kulturstandort mit Führungen, als Museum sowie als Ferienunterkunft für das Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung. „In unserem Prunksaal, dem Preysingsaal, kann außerdem geheiratet werden“, erzählt Ina Schäfer, die hofft, dass die Bauarbeiten im Innenhof planmäßig im Mai abgeschlossen sein werden.