Die Einzigartigkeit der Fingerabdrücke
Kunst am Bau für das BAMF in Bramsche
Realisierungsempfehlung für den Entwurf „Das Gespräch verbindet " von Nadia Kaabi-Linke (Visualisierung: Nadia Kaabi-Linke).
Bonn/Bad Iburg, 4. September 2026. Der Kunst am Bau-Wettbewerb der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für den Neubau eines Ankunftszentrums für Flüchtlinge des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) im niedersächsischen Bramsche ist entschieden. Mit ihrem Entwurf „Das Gespräch verbindet" überzeugte Nadia Kaabi-Linke mit leisen Tönen das Entscheidungsgremium.
Ob für die Bundespolizei, Forschungseinrichtungen, die Ministerien, das Technische Hilfswerk, die Bundeswehr oder den Bundesgerichtshof – die Kunst am Bau setzt sich immer mit den Aufgaben der jeweiligen Nutzer auseinander. Die damit zusammenhängenden Parameter sind stets eine Herausforderung für die Kunst am Bau-Wettbewerbsteilnehmenden. Diesmal war die Wettbewerbsaufgabe für den Neubau des Verwaltungsgebäudes in Bramsche jedoch noch anspruchsvoller, vielfältiger und anders.
Ein besonderer Ort – eine besondere Aufgabe
„Das BAMF in Bramsche ist ein besonderer Arbeitsplatz und ein besonderer Ort. Daher legten das BAMF und die BImA hier großen Wert auf einen sensiblen und angemessenen Umgang mit den Lebenserfahrungen der Geflüchteten und der daraus resultierenden Aufgaben für die BAMF-Mitarbeitenden in Bramsche“, erklärt Dr. Sylvia Haida, zuständig für Kunst am Bau bei der BImA. Die Kunst sollte daher sensibel, zurückhaltend und neutral sein. Die gesuchten Kunstkonzepte mussten den Anforderungen und den Erwartungen eines Ankunftszentrums für Geflüchtete gerecht werden. Am besten gelang dies dem Gewinnerbeitrag von Nadia Kaabi-Linke „Das Gespräch verbindet“. Darin nutzt die Künstlerin den Fingerabdruck als Symbol für Einzigartigkeit, Würde und menschliche Verbundenheit.
Kooperatives Verfahren als Schlüssel zum Erfolg
Relativ früh war allen Projektbeteiligten bewusst, dass die Besonderheit des Ortes und der damit verbundenen Aufgaben ein Verständnis der Arbeitsabläufe, der Zuständigkeiten und der damit verbundenen Arbeitsinhalte erfordern. Daher entschied sich das Projekt für einen kleinen Wettbewerb mit drei teilnehmenden Künstlerinnen, die im gesamten Prozess eng begleitet wurden. Die Zusammenarbeit zwischen allen Projektverantwortlichen und Beteiligten seitens des Staatlichen Baumanagements Region Nordwest, den GS P Architekten, der BImA-Hauptstelle Magdeburg und insbesondere dem BAMF in Bramsche war sehr gut.
Die Auswahl erfolgte anhand der Vorschläge von drei Fachexperten.
Eine Annäherung an das Gebäude und die Aufgabe wurde in mehreren Begegnungen vor Ort und durch Online-Termine ermöglicht. Diese Vorgehensweise war einerseits intensiver, ermöglichte den drei teilnehmenden Künstlerinnen jedoch Einblicke in die Abläufe und Aufgaben des BAMF in Bramsche.

Mit ihrem künstlerischen Konzept „Silbern eingeschrieben“ erreichte Seraphina Lenz den zweiten Platz (Visualisierung: Seraphina Lenz).
Ergebnisse sprechen für sich
„Schon in der ersten Phase des Wettbewerbs wurde den Projektverantwortlichen bewusst, dass die Entscheidung für dieses enge, kooperative Verfahren genau richtig war. Denn die drei vorgestellten Entwurfsideen zeigten, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis über die Ziele der Kunst an diesem Ort sind. Die künstlerischen Ansätze beschäftigen sich einerseits tiefgehend mit dem Ort und den Aufgaben der BAMF-Mitarbeitenden, andererseits setzten sie klare Akzente hinsichtlich der Geschichten, die in Bramsche erzählt werden“, resümiert Dr. Sylvia Haida. Klar wurde auch, dass die künstlerischen Ideen in ihrer Farbgebung etwas subtiler und leiser auftreten sollten, aber präsent bleiben müssen. Diesen schmalen Grat galt es in der zweiten Phase des Wettbewerbes stärker herauszuarbeiten.
Zwei starke Entwürfe – eine schwierige Entscheidung
Die im Verfahren verbliebenen Entwürfe wurden den Projektverantwortlichen in Bad Iburg persönlich präsentiert. Beide Entwürfe entsprachen den Anforderungen: sie waren subtil, leise und erzählten eine Geschichte. Der Entscheidung ging ein konstruktiver Austausch voraus, in dem die ganzen Aspekte des jeweiligen Ansatzes diskutiert wurden.
Das künstlerische Konzept „Silbern eingeschrieben“ von Seraphina Lenz basiert auf der Beobachtung der Anhörungen im BAMF und übersetzt die Gespräche zwischen Antragstellenden, Entscheidenden und Sprachmittlern in ein abstraktes Zeichensystem. Die drei Elemente – horizontale Aluminiumlinie, kalligrafische „Dreischwünge“ und vertikales Raster – machen die Verbindung von Struktur und individueller Erfahrung sichtbar. Die Jury würdigte den sensiblen Ortsbezug und die hohe künstlerische Qualität, entschied sich jedoch aufgrund des nicht vollständig überzeugenden Gesamtsystems gegen eine Realisierung.
Der künstlerische Ansatz von Nadia Kaabi-Linke „Das Gespräch verbindet“ interpretiert den Fingerabdruck als Symbol für Einzigartigkeit, Würde und menschliche Verbundenheit. Die daraus entstehenden organischen Landschaftsstrukturen übersetzen Gespräche und Begegnungen in ein gemeinsames visuelles Gewebe. Die monochrome Gestaltung sowie das Zusammenspiel von Malerei und Relief setzen einen bewussten Kontrast zur Verwaltungsarchitektur. Die Jury überzeugte insbesondere die poetische Umsetzung, die konsequente Weiterentwicklung des Konzepts und die sensible Auseinandersetzung mit dem Ort. Das Projekt wurde zur Realisierung ausgewählt und erfüllt die gesuchte Qualität einer zurückhaltenden, menschlich verbindenden Kunst am Bau.
Weitere Informationen zum Wettbewerb und den beiden Entwürfen finden Sie hier .