Dorothee Martin folgt auf Paul Fietz im Vorstand der BImA
„Die BImA leistet wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben, auf die ich mich freue“

Mit viel Expertise aus Politik und Immobilienbranche tritt Dorothee Martin ihre Aufgabe als Vorstandsmitglied an (Foto: privat).
Bonn, 4. Mai 2026. Dorothee Martin ist seit 1. Mai 2025 Mitglied im Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und verantwortet die Geschäftsbereiche Portfoliomanagement, Bundesforst, Verwaltungsaufgaben und Verkauf. Sie bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung aus der Immobilienwirtschaft und aus der Politik mit und engagiert sich zudem in verschiedenen Gremien wie der Stiftung Lebendige Stadt, dem Arbeiter-Samariter-Bund und der Stiftung Freundeskreis in Hamburg. Im Interview spricht sie über die Chancen und Herausforderungen ihres neuen Jobs im Vorstandsteam der BImA.
Frau Martin, Sie haben vielfältige berufliche Erfahrungen, in der privaten Immobilienwirtschaft sowie in der Landes- und Bundespolitik. Welche Expertise bringen Sie daraus konkret für die BImA mit?
Aus mehr als 20 Jahren in der Immobilienwirtschaft bringe ich Expertise in der Stadtentwicklung und im Wohnungsbau mit. Aus der Politik kenne ich Verwaltungsstrukturen und die Schnittstellen zwischen Bund, Ländern und Kommunen – also die Kunst, zwischen unterschiedlichen Interessen zu vermitteln.
Die BImA agiert genau in diesem Spannungsfeld. Mit Transparenz und Dialog möchte ich hier für Tempo, strategische Klarheit und stärkere Wirkung am Wohnungsmarkt sorgen, damit beide Welten noch effektiver zusammenkommen.
Bezahlbarer Wohnraum ist eines der drängendsten gesellschaftlichen Themen. Welchen konkreten Beitrag kann die BImA hier leisten?
Wir unterscheiden uns fundamental von privaten Investoren: Wir bauen nicht zur Gewinnmaximierung, sondern bleiben langfristig Eigentümerin und übernehmen Verantwortung für bezahlbaren Wohnraum bundesweit – besonders in Ballungsräumen. Unsere Mieten sind bezahlbar, unsere Wohnungen dienen Bundesbediensteten als bezahlbarer Wohnraum. Sie sind keine Geldanlage.
Unsere Wohnraumoffensive verfolgen wir konsequent: 1.300 Wohnungen sind bereits fertiggestellt, 6.000 neue Wohnungen für Bundesbedienstete angestrebt. Das ist eine Steigerung des Bestands um etwa 15 Prozent, was mich beeindruckt.
Wir arbeiten mit zwei Hebeln: Neubau und Leerstandsabbau. Durch gezielte Sanierung reaktivieren wir leerstehende Wohnungen schnell, ohne Flächen zu versiegeln. Parallel bauen wir Dachgeschosse auf oder um. Im vergangenen Jahr wurde so die Leerstandsquote auf 8,4 Prozent gesenkt.
Sie haben gerade die größten Herausforderungen angesprochen. Wie gehen Sie diese konkret an – auch im Zusammenspiel mit Ihren Vorstandskollegen?
Ich bin neu im Vorstand und meine Aufgabe ist es, meine Erfahrungen aus der Branche schnell in konkrete Projekte zu übersetzen – besonders beim Thema Wohnungsneubau. Die BImA trägt dazu bei, dass die Bundebeschäftigten von Bundespolizei bis zum Zoll mit ihren Familien bezahlbare Wohnungen finden. Die Menschen erfüllen wichtige Aufgaben in diesem Land und wir werden weiter daran arbeiten, die Rahmenbedingen zu verbessern.
Die größte Herausforderung ist der Spagat zwischen verschiedenen Anforderungen: Die Zeitenwende der Bundeswehr etwa bedeutet konkret mehr Soldatinnen und Soldaten, mehr Material, mehr Flächen. Wir prüfen systematisch unser gesamtes Portfolio – auch ehemalige Konversionsflächen. Das braucht permanente Kommunikation zwischen allen Disziplinen: Wohnen, Klimaschutz und Flächenmanagement.
Worauf müssen sich die Kommunen bei der Zusammenarbeit mit der BImA einstellen?
Auf eine BImA, die partnerschaftlich agiert, aber auch klare Erwartungen hat. Wir wollen nicht in Konkurrenz zu den Kommunen treten, sondern gemeinsam Lösungen entwickeln. Die Zusammenarbeit über das Wohnungsneubauprogramm ist sehr positiv – diesen Weg wollen wir fortsetzen mit noch engerer Einbindung: früh kommunizieren, gemeinsam planen und transparent arbeiten.
Dafür brauchen wir schnellere, pragmatischere Genehmigungsverfahren. Kommunen sollten uns nicht wie klassische Investoren behandeln – wir bauen bezahlbaren Wohnraum und entspannen lokale Märkte.
Gleichzeitig bieten wir Flächen mit Erstzugriffsrecht und erheblichen Verbilligungen: bis zu 35.000 Euro pro Sozialwohnung, bis zu 350.000 Euro für öffentliche Infrastruktur. So wurden bereits rund 7.300 Sozialwohnungen unterstützt. Das ist Win-win – aber nur, wenn beide Seiten auf Augenhöhe kommunizieren.
Auch der Bundesforst zählt zu Ihrem Zuständigkeitsbereit bei der BImA. Was bedeuten Ihnen Wald und Nachhaltigkeit persönlich?
Ich bin in einem kleinen Dorf mitten im Pfälzer Wald aufgewachsen. Ich habe die Haustür aufgemacht und stand im Wald. Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch. Der Bundesforst hat ganz unterschiedliche Aufgaben: von der Bewirtschaftung von Truppenübungsplätzen über das Naturerbe des Bundes bis hin zur nachhaltigen Waldgestaltung. Diese Aufgabe ist immens wichtig. Ein Schwerpunkt werden die ökologischen und naturschutzrechtlichen Regelungen sein, die oft auch auf europäischer Ebene getroffen werden. Die Flächenanforderungen der Bundeswehr für neue Truppenübungsplätze und weitere Infrastruktur werden uns ebenfalls beschäftigen. Wir tragen damit auch zur Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands bei.
Wenn wir uns in einem Jahr wiedertreffen – woran erkennen Sie, dass es ein erfolgreiches Jahr war?
Ich möchte, dass wir mit unserem Wohnungsneubauprogramm Bundeswehr gestartet sind. Natürlich freue ich mich auch über viele andere Spatenstiche, Richtfeste und Fertigstellungen von Wohnraum in ganz Deutschland.
Für mich wäre es zudem ein erfolgreiches Jahr, wenn ich die BImA wirklich auf allen Ebenen kennengelernt habe. Wenn ich in jeder Direktion war und mit allen Kolleginnen und Kollegen eine große Vertrauensbasis für eine gute Zusammenarbeit aufgebaut habe und wir gemeinsam die BImA weiter vorangebracht haben.
Und natürlich, dass wir bei den weiteren großen und für uns wichtigen Themen – Dekarbonisierung, Flächeneffizienz, Digitalisierung – wirklich weiter vorangekommen sind. Das ist ein großer Ansporn und ich freue mich, die Herausforderungen gemeinsam mit dem gesamten Team anzugehen.
Sie sind die erste Frau im Vorstand der BImA in deren 20-jähriger Geschichte. Ist das für Sie eine Bürde oder eine Chance?
Eine Bürde ist es auf gar keinen Fall – es ist eine große Freude! Natürlich weiß ich, dass ich die erste Frau in der 20-jährigen Geschichte bin, die hier im BImA-Vorstand Verantwortung übernehmen darf. Die Immobilienwelt ist immer noch sehr männlich geprägt. Daher nutze ich gerne meine neue Rolle, um die tollen Frauen in der BImA, aber auch außerhalb, zu motivieren: Es gibt viele Möglichkeiten bei der BImA – nutzt sie!