Grünes Wohnungsbauprojekt mit Beispielfunktion

Artenschutzprojekt von Bundesforst gewinnt Abstimmung

Absterbende Huteeiche auf dem Truppenübungsplatz Altmark: Das Artenschutzprojekt sorgt für Nachschub.

Dolle, 8. September 2014. Der Truppenübungsplatz Altmark bietet den deutschlandweit bedeutenden Populationen von Eremit, Hirschkäfer und Heldbock mit seinen 400 Jahre alten Huteeichen zurzeit einen herausragenden Lebensraum. In einer Kooperation hat der zuständige Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ein Artenschutzprojekt ins Leben gerufen, das nun in einer Abstimmung als Monatsprojekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet wurde.

Schon im Mai würdigte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Professor Dr. Beate Jessel im Rahmen einer Parlamentarischen Exkursion auf dem Truppenübungsplatz Altmark das Artenschutzschutzprojekt als offizielles Projekt der UN-Dekade „Artenvielfalt“. Eine Jury traf diese Entscheidung und ebnete so den Weg für die nun im August abgehaltene Online-Abstimmung. Mit großem Vorsprung und Dank der regen Beteiligung von BImA-Beschäftigten konnte sich der Beitrag des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Gefechtsübungszentrum des Heeres und des Bundeswehrdienstleistungszentrum Burg gegen die anderen Mitbewerber durchsetzen und gewann so den Titel des Monatsprojektes. „Einen herzlichen Dank an alle Unterstützer des BImA-Projektes“, richtet Wolfgang Rost stellvertretend für seine beteiligten Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt aus.

Ende des Jahres wählt eine Fachjury aus den zwölf Monatsprojekten das „UN-Dekade-Projekt des Jahres“ aus. Ausgewählt werden Projekte, die in vorbildlicher Art und Weise zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen.

Bewohner mit ungewöhnlichen Ansprüchen

Normalerweise stellen die Nutzer von BImA-Immobilien andere Ansprüche an ihre Unterkunft. Für einige jedoch soll es feucht, dunkel und moderig sein. So mag es zum Beispiel der seltene Eremit – auch Juchtenkäfer genannt. Der Heldbock hingegen bevorzugt besonnte und eher trockenere Lagen in mächtigen Ästen. „Das sind natürlich vollkommen andere Vorstellungen von einer ‚Wunschimmobilie‘, denen die BImA hier gerecht werden muss“, erläutert Bundesförster Wolfgang Rost augenzwinkernd.

In Deutschland vom Aussterben bedroht: Der rund fünf Zentimeter große Heldbock. Seine Larven leben drei bis fünf Jahre im Holz starker Eichen. (Fotos: Emanuel Walter/BImA)

Solche Ansprüche erfüllen zurzeit die 9.000 rund 400 Jahre alten, breitkronigen Eichen auf dem Truppenübungsplatz Altmark, in denen eine Vielzahl seltener Totholz-bewohnender Käfer eine Heimstätte findet. Doch nicht mehr lange: Auch die stärkste Eiche zerfällt irgendwann. Damit nachhaltig genug Wohnraum für Eremit, Heldbock und Co. vorhanden ist, befreit der Bundesforstbetrieb schon Gruppen von jüngeren Eichen von bedrängenden Bäumen, so dass diese in der Zukunft ebenso breitkronig wachsen, wie die alten Relikte. Diese freigestellten Bäume werden eingemessen, dokumentiert und nicht gefällt. So ist in Zukunft auch leicht eine Erfolgskontrolle möglich.

Alte Bäume und faule Käfer

Ähnlich wie die menschlichen Mieter bevorzugen auch Hirschkäfer, Eremit und Heldbock kurze Wege. Biologen sind sich einig, dass die Entdeckungsreisen des Eremiten auf rund 1.500 Meter begrenzt sind. Damit auch die trägsten Käfer ihre neuen Wohnungen finden, wird darauf geachtet, dass die Eichengruppen nicht mehr als 1.000 Meter voneinander oder von bestehenden Vorkommen der Käfer entfernt sind. Wolfgang Rost: „Unser Artenschutzprojekt macht die positiven Synergien von militärischer Nutzung, naturverträgliche Geländebetreuung und Naturschutz auf diesem und anderen Truppenübungsplätzen deutlich sichtbar.“

---
 

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ist die zentrale Dienstleisterin für Immobilien des Bundes. Sie gehört zum Geschäftsbereich des Bundesfinanzministers und handelt nach den modernen Standards der Immobilienwirtschaft. Aufgabenschwerpunkte sind das einheitliche Immobilienmanagement des Bundes, Immobilienverwaltung und -verkauf und Bundesforst. Sitz der Zentrale ist Bonn.

Über 26.000 Objekte, 500.000 Hektar Grundstücksfläche sowie 39.000 Wohnungen repräsentieren eines der größten Portfolien Deutschlands. Das Spektrum reicht von Wohn-, Industrie- und Gewerbeimmobilien über ehemals militärische Flächen bis hin zu forst- und landwirtschaftlichen Flächen. Die Bundesanstalt führt Konversionsimmobilien der Bundeswehr und der ausländischen Streitkräfte zivilen Folgenutzungen zu. Gemeinsam mit Kommunen werden Verwertungsmodelle, Potenzial- und Marktanalysen, städtebauliche Verträge sowie Erschließungs- und Nutzungskonzepte entwickelt. Die Bundesanstalt ist die kompetente Ansprechpartnerin für die Nutzung und Verwertung von Bundesimmobilien.