Naturschutz und Wirtschaftlichkeit unter einem Hut

Verkauf von BImA-Fläche ermöglicht „Leuchtturmprojekt“ in der Campinganlage „Regenbogen-Camp“

Bonn/Rostock/Prerow, 7. April 2022.Camping am Ostseestrand inmitten der Dünen ist aus Naturschutzgründen verboten. Doch nicht überall: Denn in den Dünen am Nordstrand von Prerow auf der Ostseehalbinsel Darß-Zingst hat dies in der Ferienanlage „Regenbogen-Camp“ eine jahrzehntelange Tradition. Um diese einmaligen Campingmöglichkeiten zu erhalten und dauerhaft in Einklang mit dem Naturschutz zu bringen, wurde ein Kaufvertrag mit der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern (StUN) geschlossen. Damit ist nach intensiven Kaufverhandlungen der Grundstein für ein „Leuchtturmprojekt“ des Landes Mecklenburg-Vorpommern gelegt worden, bei dem der Naturschutz gefördert und gleichzeitig auch ein wirtschaftliches Handeln ermöglicht werden. 

Paul Johannes Fietz (rechts) und Gernot Haffner

Paul Johannes Fietz (rechts) und Gernot Haffner, Leiter des Nationalparkamtes Vorpommersche Boddenlandschaft, tauschen sich über den Campingplatz „Regenbogen-Camp“ aus (Fotos: BImA).

Blauer Himmel, Sonnenschein, Meeresrauschen und eine frische Brise – das war die Kulisse am Ostseestrand in Prerow, als BImA-Vorstandmitglied Paul Johannes Fietz kürzlich symbolisch die „frisch verkauften“ BImA-Flächen auf dem Gelände der Ferienanlage „Regenbogen-Camp“ an Bjørn Schwake von der StUN übergab. Mit dabei waren weitere Vertreterinnen und Vertreter der BImA, der StUN, des Landes sowie der Gemeinde.

Bislang schwierige Eigentumsverhältnisse

Zum Hintergrund: Unter der Bezeichnung „Regenbogen-Camp“ ist vielen Einheimischen und Urlaubern die Ferienanlage ein Begriff. Kein Wunder, denn die Ferienanlage wird bereits seit knapp 70 Jahren betrieben und ist etwas Besonderes, da sie sich über rund 2,5 Kilometer entlang des Ostseestrandes erstreckt – ein Bereich, der auch im Nationalpark „Vorpommersche Boddenlandschaft“ liegt.

Doch wo Licht ist, gibt es auch etwas Schatten. So auch auf dem Campingplatz. Denn sein Gelände gehörte verschiedenen Eigentümern: Die Treuhandanstalt (TLG) hielt etwa 15 Hektar, die BImA rund 43,5 Hektar und der Regenbogen AG als Betreiberin der Ferienanlage gehörten circa 0,3 Hektar. Darüber hinaus ist das Land Mecklenburg-Vorpommern Eigentümer der angrenzenden Nationalparkflächen. So waren bislang die unterschiedlichen Aufgaben und Ziele der jeweiligen Eigentümer schwierig umzusetzen. Deshalb hatten alle Beteiligten das Ziel, einheitliche Eigentumsverhältnisse zu schaffen.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Die Bündelung der gesamten Grundstücke in einer Hand vereinfacht es nun, alle Ziele unter einen Hut zu bringen: Den Naturschutz der Dünenlandschaft, die Wirtschaftlichkeit eines saisonal begrenzt nutzbaren Campingplatzes und den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Stärkung der regionalen Kaufkraft. Das Land hatte daher erklärt, die BImA-eigenen Campingplatzflächen zu kaufen. Nach intensiven und konstruktiven Kaufverhandlungen wurde im Dezember 2021 eine Einigung zwischen der BImA und der Stiftung Umwelt und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern erzielt. „Worüber ich mich hier vor allen Dingen freue ist die Absicht, nicht alleine den Naturschutz zu befördern, sondern ihn vielmehr mit wirtschaftlichem Handeln zu vereinen“, erklärte BImA-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz bei der symbolischen Schlüsselübergabe im März. „Es entspricht meiner persönlichen Überzeugung, dass Wirtschaft und Naturschutz keine unüberwindbaren Gegensätze sind, sondern sich für alle gewinnbringend miteinander vereinbaren lassen.“

„Leuchtturmprojekt“ startet

Nun soll sich Einiges am Ostseestrand bei Prerow tun: Der Campingplatz wird als „Leuchtturmprojekt“ mit Hilfe von Großinvestitionen durch die StUN als neuer Eigentümerin umgestaltet. Um dem Naturschutz mit der Pflege und der Entwicklung der nun erworbenen Flächen stiftungsgemäß gerecht zu werden, bleiben einige bisherigen Stellplatzflächen des Campingplatzes zukünftig leer und werden der Natur überlassen. Im Gegenzug ist geplant, mobile Stelzengebäude für die Beherbergung zu bauen. Sie sollen ökologisch errichtet und Konzepte genutzt werden, die von fossilen Brennstoffen unabhängige Energiequellen beinhalten. Die Wirtschaftlichkeit des Campingplatzbetriebes bleibt dabei gewährleistet. Durch die Investitionen wird sogar eine Saisonverlängerung erreicht. Damit können Gäste nicht nur in den Sommermonaten anreisen, sondern bereits im Frühjahr und im Herbst das „Regenbogen-Camp“ für ihren Urlaub nutzen und so die Region stärken.