Neue Heimat für Nordholzer Sturmgeschütz (StuG III)
Präsentation nach Bergung

Blick ins Innere des gefundenen Stug III (Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven).
Bonn/Nordholz, 11. Juni 2026. Nach erfolgreicher Bergung des StuG III auf dem Gelände des Marinefliegerstützpunktes Nordholz im Auftrag des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw) ist nunmehr die Verwertung geklärt. Das Exponat wird durch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr am Standort Dresden übernommen und zunächst im Panzermuseum Munster ausgestellt. Der Transport nach Munster soll bereits im August erfolgen. Dort wird das StuG konservatorisch behandelt, um die vorhandene Sandschicht zu erhalten. So bleibt es ein herausragendes Sachzeugnis für den Umgang mit Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges direkt nach Kriegsende.
Der Fund des StuG III hat in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit geweckt. Viele museale Einrichtungen waren an seiner Übernahme interessiert. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat unter fachlicher Beratung verschiedener Experten – hierunter das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) – die Entscheidung getroffen, das Sturmgeschütz dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zu übereignen.
Wesentliche Kriterien für diese Entscheidung waren die Möglichkeiten des Museums zur Erhaltung des StuG in dem Zustand, in dem es geborgen wurde sowie die Integrationsfähigkeit des Exponats in das Ausstellungskonzept des Museums. Das Museum arbeitet zudem als Einrichtung der Bundeswehr eng mit weiteren Museen und Sammlungen des Bundes zusammen. Über diesen Verbund ist sichergestellt, dass das StuG einer breiten Öffentlichkeit ebenso zugänglich ist wie der Truppe zu Lehrzwecken und der wissenschaftlichen Forschung.

Fundort des StuG III auf dem Gelände des Fliegerhorsts Nordholz (Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven).
Bergung des Wracks
Nach erfolgreicher Bergung des Wracks auf dem Gelände des Marinefliegerstützpunktes Nordholz unter der fachkundigen Begleitung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen (KBD) wird das Sturmgeschütz zunächst auf dem Stützpunkt selbst sicher vor dem Zugriff unbefugter Dritter zwischengelagert.
„Ich freue mich, dass es uns gelungen ist, ein historisch bedeutendes Fundstück für die Nachwelt zu sichern. Durch die koordinierende Rolle der BImA bei der Bergung und Verwertung ehemaligen Reichsvermögens ermöglichen wir geeigneten Museen und Sammlungen – insbesondere der öffentlichen Hand – ihre Ausstellungen durch interessante Exponate zu erweitern“, erläutert Dirk Hagedorn, Leiter des Geschäftsbereichs Verwaltungsaufgaben der BImA.
Das Team der Archäologischen Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven rund um Dr. Andreas Hüser hat das Wrack und die Bergung umfassend dokumentiert. Das Bildmaterial wird interessierten Museen auf Anfrage zur Verfügung gestellt. „Als archäologische Denkmalpflege beschäftigen wir uns auch mit Relikten der Zeitgeschichte, obgleich diese durch Schrift-, Bild- und Zeitzeugenquellen gut belegt ist. Doch die Archäologie kann die Ereignisse mit ihren Funden belegen und die Erkenntnisse vervollständigen. Der Fund in Nordholz erzählt vom Kriegsende in Nordwestdeutschland – von einer Zeit, von der es vergleichsweise wenig Überlieferung gibt. Während die Kampfhandlungen ringsum zu Ende gingen, tobten sie hier sogar noch härter als zuvor. Teile des dafür zusammengezogenen Kriegsgeräts wurde anschließend direkt vor Ort ‚entsorgt‘“, erklärt Dr. Henning Haßmann, Landesarchäologe beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

Nach der Bergung wird das StuG III verladen (Foto: A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven).
Übereignung, Konservierung und geplante Ausstellung des StuG III
Das Wrack des Sturmgeschützes wird dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden übereignet. Das Militärhistorische Museum ist das Leitmuseum der Bundeswehr und dem Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam unterstellt. Als reguläres Museum ist es der breiten Öffentlichkeit zugänglich und dient zugleich der historischen Bildung der Truppe. Das Museum verfügt über eine große fachliche Expertise in der Konservierung und Ausstellung militär- und technikgeschichtlicher Objekte. Es hat ein modernes Großgeräte-Depot, in dem das Sturmgeschütz fachgerecht gelagert werden kann, sollte es einmal nicht ausgestellt sein. Das StuG III fügt sich mit seiner Fund- und Bergungsgeschichte überzeugend in das Ausstellungskonzept und den Bildungsauftrag des Museums ein.
„Wir freuen uns sehr, diesen historisch wertvollen Fund übernehmen zu dürfen. Das Sturmgeschütz ist ein aussagekräftiges Zeugnis des Zweiten Weltkrieges und des Umgangs mit seinen Hinterlassenschaften nach 1945“, sagt Dr. Gerhard Bauer, Wissenschaftlicher Direktor und Leiter der Abteilung Museumsbetrieb des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr.
Um das Sturmgeschütz der breiten Öffentlichkeit möglichst schnell zugänglich zu machen, wird es zunächst in die Ausstellung des Panzermuseums Munster übernommen. In Munster wird das StuG ab August erwartet. Es wird dort konservatorisch behandelt, um die aus der Vergrabung noch vorhandene Sandschicht bestmöglich zu erhalten. Neben seiner militärhistorisch-technischen Bedeutung symbolisiert das so konservierte Sturmgeschütz auch das Elend des Krieges sowie den Umgang mit technischen Relikten des Zweiten Weltkrieges nach 1945. „Mit der Entsorgung von Zeugnissen der Kriegsrealität sollte eine ‚Stunde Null‘ geschaffen werden, die es erlaubte, von der Vergangenheit unbeschwert ein neues Leben zu beginnen. Die Bergungsgeschichte des StuG symbolisiert durch eben diese Sandschicht, dass eine Zukunft ohne Vergangenheitsbezug nicht möglich ist“, erklärt Dr. Eva Susanne Fiebig, Leiterin der für die Bergung zuständigen BImA-Hauptstelle Verwaltungsaufgaben in Koblenz.