„Sitz“ – Humorvolle Ode auf den Zollhund
Kunst am Bau soll neuen Görlitzer Zoll-Standort verschönern

In dem Siegerentwurf von Gregor Passens steht ein tierischer Begleiter im Zentrum der Kunst (Collage: BImA; Visualisierung: Gregor Passens).
Bonn/Görlitz, 15. September 2026. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat ein offenes Bewerbungsverfahren für den Kunst am Bau-Wettbewerb am neuen Zollstandort in Görlitz-Klingewalde ausgelobt: Das Preisgericht in Görlitz sprach sich einstimmig dafür aus, den humorvollen und prägnanten Entwurf des Künstlers Gregor Passens zu realisieren.
Dieser wählte in seiner Ausarbeitung einen ungewöhnlichen Weg: Nicht der Mensch selbst, sondern sein tierischer Begleiter steht im Zentrum der Kunst. Und das ist kein Zufall, denn auch bei diesem Kunst am Bau-Projekt spiegelt sich in der Kunst deutlich die Arbeit der Nutzer des Gebäudes. Beim Zoll sind dies unter anderem die ausgebildeten Hunde, die für die Arbeit der Dienststellen unverzichtbar sind.
Zollhunde als wichtige Partner des Zolls
Im Gewerbegebiet Klingewalder Höhe in Görlitz baut die BImA als Bauherrin seit 2025 und noch bis Anfang 2027 ein Neubau zur Unterbringung verschiedener Zolldienststellen. Zum neuen Standort gehören auch Anlagen und Nebengebäude für die Zollhunde der Kontrolleinheiten. Derzeit unterstützen sechs Diensthunde die rund 70 Zöllnerinnen und Zöllnern, die künftig auf der Liegenschaft zusammenarbeiten werden. Die dafür speziell für zwei Jahre ausgebildeten Spür- und Schutzhunde unterstützen die Beschäftigten des Zolls unter anderem bei der Suche nach Rauschgift, Bargeld und Tabakwaren.
Ein Zollhund als Pop-Art-Symbol
Dementsprechend lag es nahe, dass Künstler Gregor Passens in seinem Entwurf die besondere Rolle der Zollhunde aufnahm und mit den Mitteln der Pop-Art in eine unmittelbar verständliche, humorvolle Bildsprache übersetzte. Ein überdimensional dargestellter Zollhund wird zum markanten Signet des neuen Zollstandorts.
Das Kunstwerk soll nicht nur den Eingangsbereich prägen, sondern auch über die Grenzen der Liegenschaft hinaus sichtbar sein. Damit erhält der Standort ein eigenständiges und wiedererkennbares Gesicht, das Aufmerksamkeit erzeugt, Neugier weckt und zugleich einen direkten Bezug zur täglichen Arbeit des Zolls herstellt.
Was bedeutet eigentlich „Zoll“?
Unverkennbar erinnern die Körperteile des Hundes zudem an Abschnitte eines Zollstocks, wie er in keinem Werkzeugkasten fehlt. Doch will der Entwurf nicht mit einer scheinbaren Verbindung zwischen dem Zoll und dem Zollstock spielen. Die Bezeichnung „Zoll“ geht vielmehr auf das mittelhochdeutsche zol zurück und bezeichnete ursprünglich eine Abgabe oder Gebühr. Und doch: Die heutige Institution Zoll erfüllt eine Aufgabe, die sich durchaus mit dem Gedanken des Messens und Einordnens verbinden lässt.
Ein Zollstock ist ein Werkzeug, mit dem wir Dinge vermessen und sie in ein einheitliches Maß bringen. Der Zoll wiederum prüft, misst, bewertet und ordnet Warenströme und überwacht deren grenzüberschreitenden Verkehr. Am Standort Görlitz-Klingewalde geschieht dies unmittelbar an der deutsch-polnischen Grenze, die heute offen ist, deren Verlauf jedoch historisch immer wieder verschoben und neu definiert wurde.
So entsteht eine zusätzliche Bedeutungsebene des Kunstwerks: Der Zollhund steht nicht nur für die tierischen Mitarbeiter des Zolls, sondern wird zum humorvollen Sinnbild einer Institution, die Warenströme kontrolliert, Grenzen überwacht und selbst Teil eines Europas mit offenen Grenzen ist.
Das Urteil des Preisgerichts
Die Jury würdigte insbesondere die Leichtigkeit und Zugänglichkeit des Entwurfs:
„Der künstlerische Beitrag nähert sich dem Thema mit bemerkenswerter Leichtigkeit und entwickelt daraus eine eigenständige, unmittelbar zugängliche Bild- und Formensprache. Er überzeugt durch den spielerischen Umgang mit dem Begriff ‚Zoll‘ und dem eingesetzten Material. Der Beitrag ist auf Anhieb verständlich und zugänglich. Er macht neugierig und lädt dazu ein, sich mit den unterschiedlichen Bezügen und Bedeutungsebenen auseinanderzusetzen. Das Zusammenspiel aus einer leicht erfassbaren Grundidee und einer darüberhinausgehenden interpretatorischen Offenheit wird als Stärke des Entwurfs wahrgenommen.“
80.000 Euro brutto sind für die Umsetzung des Kunstwerks vorgesehen, das bis Mai 2027 fertig sein soll.
Sechs Entwürfe – alle wählen selben Ort
Für den Wettbewerb standen drei unterschiedliche Arbeitsbereiche auf der Liegenschaft zur künstlerischen Gestaltung zur Verfügung. Bemerkenswert ist, dass sich alle sechs teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler für eine Intervention im Eingangsbereich entschieden. Die Entwürfe setzten sich dabei aus unterschiedlichen Perspektiven mit den zentralen Themen des Standorts auseinander: mit den Zollhunden, dem Warenverkehr, der Kontrolle und Prüfung von Gütern sowie mit dem Spannungsfeld zwischen Grenzöffnung und Grenzsicherung.
Den zweiten Preis erhielt Götz Lemberg für seinen Entwurf „Flussgut“. Der dritte Preis ging an Lucy König für „vestigatio“. Die Jury hob bei diesem Beitrag insbesondere das aufwändig gearbeitete Modell und die umfangreichen Materialproben hervor, durch die die geplante Arbeit bereits im Wettbewerbsverfahren unmittelbar erfahrbar wurde.
Öffentliche Ausstellung aller Wettbewerbsbeiträge
Wer sich ein eigenes Bild von den sechs eingereichten Entwürfen machen möchte, kann dies derzeit in Görlitz tun: Alle Wettbewerbsbeiträge sind noch bis 21. September 2026 in der Stadtverwaltung Görlitz, Technisches Rathaus, Hugo-Keller -Str. 14, (ehem. Jägerkaserne) und geben einen Einblick in die unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven auf den Zollstandort und seine Aufgaben. Im Anschluss wird die Ausstellung auch in Dresden im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen zu sehen sein.
Weitere Informationen und die prämierten Entwürfe finden Sie hier.