Stützenfest in Immendingen
Beim neuen Trainingszentrum des Zolls trifft serielles Bauen auf Nachhaltigkeit

Von der Straße ist der Baufortschritt in Immendingen zu sehen (Fotos: BImA).
Bonn/Immendingen, 29. Oktober 2026. In Immendingen nimmt das neue Einsatz- und Trainingszentrum (ETZ) für den Zoll sichtbar Gestalt an: Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hat gemeinsam mit ihren Partnern das sogenannte Stützenfest gefeiert, bei dem nun die ersten tragenden Teile des Gebäudeskeletts installiert sind. Der Baufortschritt der vergangenen Monate macht deutlich: Das Projekt liegt im Zeitplan.
Alle Standorte werden in serieller Bauweise errichtet und folgen einem einheitlichen, durchdachten Konzept, das auch in Immendingen umgesetzt wird. Das Trainingszentrum umfasst drei zentrale Baukörper: ein Einsatztrainingsgebäude, eine Raumschießanlage und eine Zwei-Feld-Sporthalle. Hier werden Zollbeamtinnen und -beamte ihre Einsätze trainieren – und das in sehr realitätsnahen Szenarien. So lassen sich in dem ETZ Situationen in Wohn- und Gastronomieflächen oder auch in Kfz-Hallen simulieren. Laufstege ermöglichen dem Trainingspersonal eine effektive Überwachung und Leitung der Übungen, vier Meter über den Trainierenden. Die Raumschießanlage verfügt über drei Schießstände mit modernster Projektions- und Messtechnik. Verwaltungs- und Besprechungsräume runden das ETZ auf 13.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ab. „Training unter realistischen Einsatzbedingungen und Weiterbildung auf höchstem Niveau, dafür wird heute das Fundament gelegt. Wir freuen uns, dass dieses Einsatztrainingszentrum Teil des Hauptzollamts Singen wird“, so beschreibt es Rainer Bühler, Leiter des Hauptzollamts Singen. „Durch die optimalen Trainingsbedingungen ist die Eigensicherung bei der Aufgabenwahrnehmung im Vollzugsbereich gewährleistet.“
Hochwertig und nachhaltig
„Erst vor gut einem Jahr stand fest, dass in Immendingen ein ETZ entstehen wird. Innerhalb kurzer Zeit konnte Baurecht geschaffen und der Bauantrag genehmigt werden“, freut sich Cornelia Kessler, Leiterin der BImA-Hauptstelle Facility Management in Freiburg und ergänzt: „Mit dem hier umgesetzten seriellen Bauen zeigen wir als zentrales Immobilienunternehmen des Bundes, dass öffentliches Bauen schnell, hochwertig, effizient und ökologisch verantwortungsvoll sein kann.“
Nach einem EU-weiten Vergabeverfahren beauftragte die BImA als Bauherrin das europaweit tätige Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck als Totalunternehmer mit der schlüsselfertigen Realisierung inklusive Planung und Bau. Die Fertigstellung und Übergabe an die Generalzolldirektion als Nutzerin sind in Immendingen für Ende 2028 geplant. Um das Bauprogramm zu beschleunigen, setzen BImA und Goldbeck auf eine systematisierte und serielle Bauweise für alle deutschlandweit geplanten Standorte. Wesentliche Bauelemente fertigt das Unternehmen industriell vor und montiert sie anschließend vor Ort. Dies beschleunigt die Bau- bzw. Montagephase – und senkt somit die Kosten. Die Architektur der Einsatztrainingszentren fügt sich harmonisch in ihre Umgebung ein: Die Fassaden sind mit Aluminium-Lisenen und Holz verkleidet.
„Gemeinsam zeigen wir mit unseren Partnern, wie Pioniergeist von öffentlicher Hand und Bauwirtschaft funktioniert: Wir planen und bauen die einheitlichen Gebäudetypen für den Zoll seriell und bundesweit. Für die Zollbeamtinnen und -beamten realisieren wir mit diesem innovativen Bauprogramm schnell und wirtschaftlich elf hochwertige Einsatztrainingszentren – wie hier in Immendingen“, erklärt Georg Steinweg, Geschäftsführer der Goldbeck Süd GmbH.

Befüllten gemeinsam die traditionelle Zeitkapsel (von links): Georg Steinweg (Goldbeck), Cornelia Kessler (BImA), Rainer Bühler (Zoll), Manuel Stärk (Bürgermeister Immendingen).
Von Grund auf klimafreundlich
Das deutschlandweite Bauprogramm für den Zoll setzt weitere Schwerpunkte auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz mit einem geringen CO2-Abdruck über den gesamten Lebenszyklus der Gebäude. Die Gebäude realisiert Goldbeck für die BImA nach dem EGB 40-Standard und setzt dabei den Silber-Standard des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) um. Eine ganzheitliche Photovoltaik-Lösung versorgt die Gebäude mit Energie. Neben den Dachflächen integrieren auch die Fassaden Photovoltaik-Module. Solar-Carports erzeugen zusätzlichen Strom. Im Jahresschnitt werden die Anlagen mehr Energie produzieren als verbrauchen und Strom in das öffentliche Netz einspeisen. Die Trockenbauwände im Inneren der Gebäude werden aus vorgefertigten Modulen ausgeführt, die aus gepresstem Stroh bestehen. Somit kann weitestgehend auf energieaufwändig hergestellte und nicht recycelbare Gipskarton-Wände verzichtet werden. Begrünte Dächer und Fassaden verbessern das Mikroklima, fördern die Regenwasserversickerung und tragen zur natürlichen Kühlung bei. In den Außenanlagen entstehen neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen – etwa durch Nist- und Fledermauskästen.
„Dass Immendingen als einer von bundesweit elf Standorten für ein Einsatz- und Trainingszentrum des Zolls ausgewählt wurde, ist für unsere Gemeinde eine besondere Auszeichnung und ein starkes Signal für die Zukunft unseres Standorts. Mit dieser Investition des Bundes wird Immendingen als Standort für bedeutende öffentliche Einrichtungen weiter gestärkt. Besonders freut mich, dass das Projekt innerhalb so kurzer Zeit auf den Weg gebracht werden konnte und die Bauarbeiten bereits sichtbar voranschreiten. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die hervorragende und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir freuen uns darauf, den Zoll künftig als weiteren wichtigen Partner in unserer Gemeinde begrüßen zu dürfen“, betont Bürgermeister Manuel Stärk.
Neben Immendingen befinden sich sieben weitere ETZ-Standorte bereits im Bau und liegen im Zeitplan. Dazu zählen: Eppingen (Baden-Württemberg), Beckum und Heiligenhaus (beide Nordrhein-Westfalen) sowie Kümmersbruck (Bayern), Chemnitz (Sachsen), Königs Wusterhausen (Brandenburg) und Walsrode (Niedersachsen). An den drei weiteren Standorten in Garching (Bayern), Griesheim (Hessen) und Neumünster (Schleswig-Holstein) finden bauvorbereitende Maßnahmen statt.