Symbolischer Baustart für internationales Zentrum der Erinnerung

Spatenstich für Neubau der Arolsen Archives

Beim Spatenstich für den Neubau der Arolsen Archives: Sabine Schleich (OFD / Foto von rechts nach links), Petra Zellner (LBIH), Elisabeth Krieter (Hauptstellenleiterin Facility Management der BImA-Direktion Koblenz), Moritz Wein (Direktor Arolsen Archives), Marko Lambion (Bürgermeister Stadt Bad Arolsen), Katrin Werdermann de Rodriguez (Internationaler Ausschuss/Auswärtiges Amt), Nicole Dominicus (Arolsen Archives) sowie eine Vertreterin und ein Vertreter des Architekturbüros Nieto Sobejano Arquitectos.

Beim Spatenstich für den Neubau der Arolsen Archives: Sabine Schleich (OFD / Foto von rechts nach links), Petra Zellner (LBIH), Elisabeth Krieter (Hauptstellenleiterin Facility Management der BImA-Direktion Koblenz), Moritz Wein (Direktor Arolsen Archives), Marko Lambion (Bürgermeister Stadt Bad Arolsen), Katrin Werdermann de Rodriguez (Internationaler Ausschuss/Auswärtiges Amt), Nicole Dominicus (Arolsen Archives) sowie eine Vertreterin und ein Vertreter des Architekturbüros Nieto Sobejano Arquitectos (Fotos: BImA).

Bonn/Bad Arolsen, 7. Mai 2026. Mit dem heutigen Spatenstich beginnt offiziell der Bau eines neuen modernen Archivgebäudes für die Arolsen Archives in Bad Arolsen im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) setzt das Vorhaben mit dem Bundesbau in Hessen um.

Die Arolsen Archives sind das weltweit größte Archiv über Opfer und Überlebende des Nationalsozialismus (NS). Es umfasst mehr als 30 Millionen Dokumente zu Opfern des Holocaust, Häftlingen der Konzentrationslager, ausländischen Zwangsarbeitern und Überlebenden. Die Sammlung gehört seit 2013 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Der Neubau entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hauptgebäude der Arolsen Archives in Bad Arolsen. Das moderne Archivgebäude wird künftig die international bedeutsamen Bestände zentral, archivgerecht und nachhaltig sichern. Die Fertigstellung ist für Ende April 2028 geplant. Die Arolsen Archives werden dann Mieterin des Gebäudes sein. Bauherrin und künftige Eigentümerin ist die BImA als zentrales Immobilienunternehmen des Bundes. Der Bundesbau in Hessen, die Bauabteilung der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main (OFD) und der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH), setzt das Bauvorhaben im Auftrag des Bundes um.

Für Erinnerungskultur und Forschung

„Mit diesem Neubau schaffen wir optimale Bedingungen für den dauerhaften Erhalt und die wissenschaftliche Nutzung der wertvollen Dokumente. Es ist ein bedeutender Schritt für die Erinnerungskultur und die Zukunft des Archivs“, unterstreicht Elisabeth Krieter, Hauptstellenleiterin Facility Management der BImA-Direktion Koblenz. Der Bund bekenne sich damit zur Verantwortung für die Bewahrung und Zugänglichkeit dieser einzigartigen Sammlung. Das neue Archivgebäude werde zu einem zentralen Ort, an dem Gedenken und Forschung zusammenfließen.

Der Internationale Ausschuss, das Leitungsgremium der Arolsen Archives, erklärt: „Dieses neue Gebäude steht als Zeugnis für die Opfer, die Überlebenden der nationalsozialistischen Verbrechen und ihre Familien und bekräftigt zugleich, dass die internationale Gemeinschaft die Erinnerung an ihre Verfolgung anerkennt, würdigt und bewahrt. Möge dieser Neubau künftige Generationen dazu ermutigen, eine eigene Beziehung zur Vergangenheit aufzubauen und ihr Engagement für Demokratie sowie für die Erinnerung an alle Opfer der NS-Verfolgung zu vertiefen. Unser aufrichtiger Dank gilt den deutschen Behörden auf Bundes- und Landesebene für ihre verlässliche Zusammenarbeit, die diesen Meilenstein möglich gemacht hat.“

Der Neubau ist nicht nur ein Meilenstein für die Arolsen Archives, sondern auch für die internationale Bildungs- und Forschungsarbeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten,“ ergänzt Moritz Wein, Direktor der Arolsen Archives. „Erstmals wird die Sammlung unter Bedingungen aufbewahrt, die ihrer historischen und weltweiten Bedeutung als UNESCO-Weltdokumentenerbe entspricht.“

Im Vorfeld des eigentlichen Spatenstiches gab es mehrere Grußworte und Redebeiträge im Bürgerhaus Bad Arolsen.

Im Vorfeld des eigentlichen Spatenstiches gab es mehrere Grußworte und Redebeiträge im Bürgerhaus Bad Arolsen.

Zusammenführung der wertvollen Bestände 

Der Neubau stellt das erste Archivgebäude für die Arolsen Archives dar: Die Institution war nicht als Archiv angelegt, das heutige Archivgut diente zunächst der Schicksalsklärung von Opfern des NS-Regimes. Der Neubau ist notwendig geworden, weil für die derzeit auf drei Standorte – davon zwei Anmietungen – in Bad Arolsen verteilten Flächen ein erheblicher Mehrbedarf besteht. Mit dem geplanten Neubau können alle drei Standorte zusammengeführt und die Dokumente sachgerecht und dauerhaft sicher archiviert werden.

Das neue Gebäude bietet Platz für 22.000 laufende Archivmeter – inklusive eines Mehrbedarfs von 800 weiteren laufenden Metern. Für den Neubau ist zudem ein Konferenzraum mit multifunktionaler Nutzung vorgesehen: Auf 200 Quadratmetern ist hier Raum für Veranstaltungen wie Vorträge, Workshops, Events sowie für eine Ausstellung eingeplant.

Wie Petra Zellner, die Vertreterin des Direktors des LBIH ausführte, liegt die Stärke des neuen Archivgebäudes nicht nur in der symbolträchtigen Architektur, sondern auch im Unsichtbaren: Präzise klimatisierte Archivräume sichern den langfristigen Erhalt der 30 Millionen UNESCO-Dokumente und eine gesicherte Außenhülle schützt vor Einbruch und Vandalismus. Die sauerstoffreduzierende Brandvermeidungsanlage verzichtet zudem auf Wasser, um die empfindlichen Dokumente auch im Ernstfall zu bewahren.

Architektur mit Bedeutung

Der Entwurf für den Neubau stammt vom renommierten spanisch-deutschen Architekturbüro Nieto Sobejano Arquitectos. Dieser hat sich in einem europaweiten Vergabeverfahren durchgesetzt. Die Fassade aus rot eingefärbten Betonfertigteilen erinnert an Archivboxen, ein gestalterischer Verweis auf die Funktion des Gebäudes. Gleichzeitig soll die Fassade ein Abbild des aufbewahrten Guts sein, in seiner Individualität, seiner Unvollständigkeit und seiner Lebendigkeit. Zudem fügt sich der Bau harmonisch in den bestehenden denkmalgeschützten Baumpark und die Wohnumgebung ein und berücksichtigt Aspekte nachhaltiger Bauweise, wie die sparsame Versiegelung von Flächen.